Globale Zwangsentschleunigung


Sonnenschein, Vögel zwitschern, Wind in den Zweigen, Blüten im Gras.
Faszinierend, dass die Welt heut' mein Tempo fährt und nicht, wie sonst, die Sinne mit Lärm, Stress und Hektik betäubt.
Nichts stört den natürlichen Rhythmus. Niemand drängelt, keiner bremst.
Zeit, um in den Flow zu kommen.
Frei fließende Gedanken, die zu Taten führen.
Erwartungslos. Ergebnisoffen. Von Idee zu Idee, von Ziel zu Ziel.
So ist eine Krise auch immer eine Chance.


Etwas zwingt dich aus deiner Bahn, deinen Kreisen.
Einer beobachtet erstmals sich selbst, ein anderer nimmt seine Umwelt wahr.
Mein Schutzprogramm hat Pause. Keine Leute treffen, das Alarmsystem wird nicht gebraucht, bindet keine Energie. Auf einmal sind enorme Ressourcen frei!
Doch halt –


Es gibt einen Grund für dieses Paradies. Ein Virus, das die Gesellschaft lähmt. Das unser System auf die Probe stellt und bestehende Mängel bis zur Unerträglichkeit verstärkt.
Was mich aufatmen lässt, sorgt andernorts für die Explosion von Konflikten.
Die gleiche Ruhe, die mir Freiheit verschafft, lässt andere panisch werden.
Und schließlich all jene, die jetzt täglich an der Front stehen und kämpfen, bis zum Limit. Denen die geballte Wucht aus Angst, Trauer, Sorge, Wut und Not entgegenschlägt.
Und da meldet auch mein System wieder Alarmzustand an. Die andauernde Sorge, die Gefühle der anderen, ihr ungefiltertes Sein. Oft grob, laut, grell und brutal.
Eine Krise ist immer eine Chance, jetzt neue Wege zu finden.