Hundehalsband


Wir sprachen über Superkräfte. Welche würdest du dir wünschen? Fliegen wäre toll. Aber die coolste Idee war wohl eine Haut, die sich in ihrer Struktur verändern lässt, in Farbe und Beschaffenheit. Das wäre nicht nur schick, man hätte bei Bedarf auch sofort einen Panzer oder wehrhafte Spikes. Wie so ein Hundehalsband bei Wachhunden.

Moment. Wehrhafter Panzer? Ein Hundehalsband? Auf einmal machte sich in mir eine erstaunliche Erkenntnis breit.

Ich bin mit Zeichentrickserien wie Tom & Jerry und Disney groß geworden. Die großen, bösen Wachhunde, die trugen so ein Spike-Halsband. Damit sie den Kopf nicht drehen oder sich entspannt hinlegen konnten, dachte ich. Denn dann würden diese metallenen Spitzen sich in die Haut bohren. Das war also genauso heftig wie die Slapstick-Einlagen. Diese Hunde waren bedauernswert. Sie waren groß und stark, aber immer die Loser und wurden nur wütend, weil sie angekettet waren an ihrem Halsband und sich gegen all die Sticheleien und fiesen Scherze nicht wehren konnten. Und so assoziierte ich dieses breite Halsband mit den scharfen Spitzen mit Zwang, Unterwerfung und Abhängigkeit.

Ohje! Dabei war das ganz anders gemeint! Es sollte Kraft und Stärke unterstreichen und einen Schutz in Kämpfen gegen Nacken- und Kehlbisse bieten!

Oh-oh! Dann galt das bestimmt auch für die Punks mit ihren Nietenhalsbändern. Die hatten damit Stärke, Aggression und Kampferprobung zeigen wollen? Womöglich auch mit ihren zerfetzten Klamotten? Für mich waren das immer Zeichen von zwanghafter Unterdrückung, Armut und Leid. Habe ich das jahrzehntelang falsch interpretiert?