Missverständnisse durch Übersetzungsfehler


Zurzeit kursieren viele Annahmen, Theorien und Meinungen über Corona.
Vieles sind nur Annahmen und Meinungen, manches Fake-News ohne belastbare Quellenangaben.
Aber ein Großteil der verbreiteten Fehl-Informationen entstehen auch ganz einfach durch Missverständnisse und Übersetzungsfehler.

Aktuelles Beispiel ist ein Post von Dr. Ruediger Dahlke auf seiner Facebook-Seite.
Dort schreibt er:
„In England reihen Regierung und höchste Stellen des Gesundheitswesens all jene über 65-Jährigen, die die normale Grippe-Impfung erhalten haben, in die Gruppe der Höchstgefährdeten ein – auf dieselbe Stufe wie schwer Krebskranke, frisch Transplantierte, alle mit Immunsuppressiva und schwer Lungenkranke wie Asthmatiker und PatientInnen mit COPD.“

Und weiter:
„Wenn tatsächlich die normale Grippe-Impfung das Risiko für Corona-Covid-19 so dramatisch erhöht, wird mir einiges klar:“ und macht dann die Grippe-Impfungen für die Todesfälle in Italien verantwortlich.

Wie kommt er zu dieser Einschätzung? Nun, er bezieht sich dabei auf einen Bericht des Daily Mirror (www.mirror.co.uk) vom 17.3.2020. Darin heißt es:

Britons who get the annual winter flu jab fall into the government’s “high risk” category and should self-isolate, a top medic warns. The news comes as the public demand more clarity from the government over who falls into that category, given common underlying health problems. Jonathan Van-Tam, deputy chief medical officer for England, told BBC Breakfast this morning: "I don't want to go into enormous detail into every single risk group but we are saying it is the people who are offered flu vaccines, other than children, who fit into that risk category, people for whom the advice is very strong about social distancing." The flu vaccine is available on the NHS every winter and is routinely given to adults over 65, people with medical conditions and pregnant women, to prevent serious complications from flu like pneumonia. Patients most at risk include people with asthma, cancer or those have had an organ transplant.

(vgl. https://www.mirror.co.uk/news/uk-news/coronavirus-top-medic-warns-anyone-21708701)

Auf Deutsch:

Briten, welche die jährliche Grippe-Impfung erhalten, fallen in die Hoch-Risiko-Gruppe der Regierung und sollten sich isolieren, wie ein führender Mediziner warnt. Diese Nachricht reagiert auf öffentliche Forderungen an die Regierung nach mehr Klarheit, wer denn in diese Kategorie fällt, bezüglich verbreiteter Vorerkrankungen. Jonathan Van-Tam, stellvertretender medizinischer Direktor Englands, teilte BBC Breakfast heute morgen mit: „Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen über jede einzelne Risikogruppe, aber wir sagen, es sind die Personen, außer Kindern, denen Grippeimpfungen empfohlen werden, die in diese Risikogruppe fallen, Personen, denen dringend soziale Distanz (Social Distancing) empfohlen wird.“ Der Grippeimpfstoff ist jeden Winter beim staatlichen Gesundheitsdienst erhältlich und wird regelmäßig Erwachsenen über 65, vorerkrankten Personen und Schwangeren verabreicht, um schwere Komplikationen durch eine Grippe, wie eine Lungenentzündung, zu vermeiden. Zu den am meisten gefährdeten Patienten gehören außerdem Personen mit Asthma, Krebs oder Organtransplantationen.

(eigene Übersetzung, Kerstin Rehberg, 25.03.2020)

Es geht hier also nicht um „all jene über 65-Jährigen, die die normale Grippe-Impfung erhalten haben“, noch erhöht „die normale Grippe-Impfung das Risiko für Corona-Covid-19“.

Es geht lediglich um eine Klassifikation von Hoch-Risiko-Gruppen, die besonders darauf achten müssen, sich nicht mit dem Corona-Virus anzustecken, solange es noch keinen Impfstoff gibt. Und zu dieser Risikogruppe gehören eben alle, die sich besser auch nicht mit Grippeviren anstecken sollten und deshalb jährlich dazu angehalten werden, sich impfen zu lassen.