Phasen einer Krise 3


Demos und Widerstand haben bei einigen Menschen gerade Hochkonjunktur. Da äußert sich eine Wut, die sich mir nicht ganz erschließt. Man kann ja sagen, dass man etwas nicht will und z. B. dafür demonstrieren, dass bestimmte Berufsgruppen finanzielle Unterstützung erhalten oder bessere Arbeitsbedingungen, oder dass die Kinderbetreuung besser organisiert wird oder man leichter Hilfen bei finanziellen, medizinischen oder psychischen Problemen erhält. Aber darum geht es bei diesen Demos irgendwie gar nicht!
Nein, das sind gar keine Demos für irgendetwas. Das ist nur eine kollektive Äußerung von Wut darüber, dass das Leben gerade anders ist, als man es bisher kannte und nicht weiß, wie lange das so gehen wird. Und diejenigen, die da demonstrieren, wissen offenbar selber nicht, was ihnen helfen würde, mit der Situation klarzukommen.
Die naheliegendste Sache wäre eigentlich, jemanden zu fragen, der sich mit Krisen auskennt oder wenigstens nicht selber total verunsichert ist. Aber dazu müsste man ja auf Menschen zugehen, denen es trotz der Krise immer noch gut geht. Nein, das ist zu peinlich! Bloß nicht zugeben, dass man sich überfordert fühlt und Hilfe braucht.
Die einen sperren sich jetzt lieber ein, gehen gar nicht mehr raus, verkriechen sich in ihren Bunker und warten bis alles vorbei ist. Hoffentlich kriegen die das dann auch mit, dass sie wieder raus können!
Die anderen fahren das Trotz-Programm, gehen jetzt extra oft raus und treffen sich nun mit extra vielen Menschen, schreien laut irgendwelche Parolen, fallen sich in die Arme und grölen alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt. Geben sich extra stark, wie ein verängstigtes Raubtier, das die Mähne schüttelt und die Zähne fletscht.
Ja, die Situation ist Scheiße! Und das darf man auch genau so sagen, und man darf sich darüber auch tierisch aufregen und auf dieses verdammte Virus wütend sein! Und gleichzeitig dafür sorgen, dass dieses verdammte Virus sich nicht weiter ausbreitet!
FUCK CORONA